Empires – die vielleicht beste Erweiterung für Dominion

Noch eine Erweiterung für Dominion – muss das sein? Ist denn nicht bereits alles vorhanden? Man könnte es meinen, nach zuletzt eher schwächeren Erweiterungen. Aber mit „Empires“ ist alles anders.

Nicht das geniale Spielprinzip, daran wird nichts geändert. Aber viele interessante Kniffs und Fähigkeiten erweitern das Spiel und geben ihm eine gehörige Tiefe. Schlosskarten, Ereignisse, Landmarken, Schulden … eine dicke Palette an vorzüglichen Möglichkeiten, das Spiel empfindlich komplexer zu machen.

Mit dieser Erweiterung kann das Spiel deutlich länger dauern. Es liegen mehr Karten aus, es muss also mehr Text gelesen werden. Es gibt weit mehr Interaktion zwischen den Karten, die bedacht und geplant sein will. Das lähmt den Spielfluss. Dafür gewinnt das Spiel spürbar an Tiefe. Wer das Basis-Spiel kennt, wird in Erinnerung haben, wie zügig eine Runde abläuft. Das gelingt nur noch erfahrenen Spielern mit dieser Erweiterung. Dafür kommt (endlich) eine gehörige Komplexität ins Spiel, wie sie Kennerspieler gerne sehen. Für Gelegenheitsspieler ist diese Tiefe aber wohl überfordernd.

Empires als einzige Erweiterung zu kaufen rate ich ab. Zwar bietet es auf Dauer perfekte Unterhaltung und Herausforderung, kann aber auch überfordern. So sehe ich in „Seaside“ die beste Erweiterung sowohl für Gelegenheits- wie auch für Expertenspieler, wer es aber wirklich als strategischen Knaller haben will, steigt mit Empires in die höheren Spielgefilden auf.

Dominion verliert mit „Empires“ seine Unschuld. Es ist nicht mehr das schnell gespielte, einfache, für jede Spielergruppe geeignete Spiel, jetzt ist es ein Kennerspiel oder zumindest ein Spiel für den wirklich fortgeschrittenen Gelegenheitsspieler. Es dauert länger, kostet mehr Hirnschmalz, und hat seine Leichtigkeit verloren. Das ist nicht falsch. So erfindet sich Dominion zwar nicht neu, aber viel frisches Blut machen aus einem mittlerweile in die Jahre gekommenem Spiel ein hochinteressantes und richtig packendes Kennerspiel.

Wer jetzt meint, dass Gelegenheitsspieler außen vor sind, dem sei versichert, dass Dominion einen genialen Trick immer noch auf Lager hat. Man muss nicht alle Karten aus der Erweiterung verwenden. Man mischt eine oder zwei in sein gewohntes Spiel, tastet sich langsam an die schwierigeren Karten heran und sehr schnell wird man merken, wie man Stück für Stück, Partie für Partie in die komplexe Welt eines Kennerspiels eintaucht.

Was ich jedem empfehlen würde, sind die Landmarker-Karten, die sind nicht besonders fordernd, aber geben dem Spiel einen richtig neuen Anstrich. Auch für Einsteiger zu empfehlen. Wer länger damit spielt, kann sich diese Karten gar nicht mehr aus dem Spiel herausdenken.

Eine kleine Warnung. Da jede Erweiterung mit allen anderen Erweiterungen kompatibel und spielbar sein soll, sind in den Spielregeln viele Beispiele genannt, wie Karten aus verschiedenen Erweiterungen zusammenpassen. Auf den ersten Blick wirken die Regeln damit kompliziert und aufwändig. Aber all diese Zusatzerklärungen kann man getrost beiseite lassen. Man liest nur den Teil, mit dem man wirklich spielen will.

 

FAZIT

Mit „Empires“ erhält „Dominion“ eine Erweiterung mit Schmackes. Viele neue Möglichkeiten heben das Kartenspiel, das für Gelegenheits- und Vielspieler gleichermaßen geeignet war auf eine neue Komplexitätsstufe, die wohl eher Expertenspieler jubeln lässt. Einsteiger brauchen viel Geduld, um hinter die Verzahnungen der neuen Karten zu kommen und diese gewinnträchtig nutzen zu können. Wer bereits Erweiterungen besitzt, wird sich über frischen Wind freuen, auch wenn der manchmal als steife Brise daherkommt.

Wer das Basisspiel „Dominion“ hat und gern mehr davon will, der sollte zuerst zu einer anderen Erweiterung greifen (ich empfehle „Seaside“), wer Dominion gut kennt und mehr Tiefe will, der erhält mit „Empires“ alles, was sein Spielerherz will.

„Empires“ verlängert den Spielgenuss deutlich, aber eben auch die Denk- und Spielzeit.

Wer Dominion nicht mag (ja, solche Spieler gibt es), die werden auch mit der neuen Erweiterung keine Freude haben. Wer sich an Dominion statt gespielt hat, dem kann diese neue Erweiterung wieder Appetit machen.

Leider etwas schwach ist die Anleitung, die in vielen Fällen ausführlicher sein hätte können. Manche Auswirkung von Karten wird erst beim Spielen klar.

Dass man für ca. 300 Karten wieder eine stolze Summe hinlegen muss, mag zunächst abschrecken. Dass man aber wirklich viel Spielzeit damit kauft, macht das Spiel letztlich doch wesentlich günstiger als so manch anderes Spiel in der gleichen Preisklasse, das mit viel mehr Material ausgestattet ist.

Problematisch wird bei Dominion die Fülle an Karten, die man nach kurzen Anspielen dann nie wieder spielt. Die summieren sich im Lauf der Zeit auf und irgendwann hat man in seinem Schrank zwar ein geniales Spiel, aber trotzdem fast 1000 ungespielte Karten liegen. Aber dagegen kann man ganz einfach etwas unternehmen. Man bestimmt die ausliegenden Karten per Zufall. Dabei ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten, und auch wenn die gelosten Karten gar keinen Zusammenhang haben, ist es gerade deswegen spannend, wie man damit zurecht kommt.

Wie lange uns der Autor noch mit Erweiterungen überschütten wird, kann man nicht sagen. Wenn es aber weiterhin so frische und belebende sind wie „Empires“ dann darf er gerne weitermachen. Denn „Empires“ hat es in der Dominion-Welt gebraucht. (Die nächste Erweiterung ist mittlerweile auch schon draussen!)

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

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“fortgeschrittenes Familienspiel und Expertenspiel”

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