Nasen zählen und Türmchen bauen – „babel PICO“ lädt ein zu einem entspannten Klötzchenspiel

Wollten die Einwohner von Mesopotamien mit ihrem Turmbau zu Babel – der Geschichte nach – den Himmel berühren, sind unsere Pläne in „babel PICO“ nicht so ausufernd. Unser Ziel ist es, den letzten Stein setzen zu können. Dass es dabei manchmal durchaus hoch hinaus geht, kommt vor, aber den Himmel berühren wir dabei nicht. Auch das Spiel berührt nicht den Spielehimmel, es bleibt eher in den normalen Gefilden.

Jeder Spieler hat eine bestimmte Anzahl an großen, schön in der Hand liegenden Würfeln. Die Würfel haben auf den Seiten entweder Nasen (Ausbuchtungen) oder Vertiefungen, in die diese Nasen genau hineinpassen. Es gibt Würfel mit sechs Vertiefungen und Würfel mit ein bis vier Nasen und Vertiefungen auf den restlichen Seiten. Jetzt wird gemeinsam ein Turm gebaut, bei dem 2 x 2 Würfel die Grundfläche bilden. Abwechselnd bauen die Spieler einen ihrer Würfel an, wobei immer auf allen sich berührenden Seiten Nasen in Vertiefungen passen müssen. Also nach unten und zu den beiden Seiten im Innern des Turms. Dank des stabilen und großen Materials ist der Bau einfach und das Bauwerk zudem (ganz im Gegensatz zum großen Vorbild in Babel) stabil.

Welcher Spieler nun den letzten Würfel setzen kann gewinnt, anders gesagt, wer keinen Stein mehr setzen kann, verliert.

So ist man beim Setzen stets gezwungen, sowohl seine eigenen Steine im Blick zu halten, um sich möglichst gute Optionen zu erhalten, andererseits gilt es den Würfelvorrat des Mitspielers zu beobachten, um mögliche Siegchancen zu erkennen. Nun klingt das interessant und fordernd, man ist sogar im Spiel versucht, über mögliche Strategien nachzudenken, aber meist ergeben sich Sieg und Niederlage eher „aus Versehen“ denn durch gezielte strategische Planung. Auch wenn man nach einer Partie genau weiß, wo man den „entscheidenden Fehler“ gemacht hat, bringt einen diese Einsicht beim nächsten Spiel nicht wirklich weiter. Tatsächlich verliert man bei diesem Spiel leichter als man durch Analyse der Spielsituation gewinnt.

Die Möglichkeiten, die man mit den Würfeln hat, sind vielfältig und durch die Außenseiten des Turms, die sowohl Nasen als auch Vertiefungen haben dürfen, ist das Spiel nicht komplett planbar. Erfahrung hilft einen, mit der Zeit zu erkennen, mit welchen Würfeln man am Spielende immer besser dasteht und welche Würfel man schnell loswerden sollte. So hat der erfahrene Spieler gegen den Anfänger leichte Vorteile, aber schon nach zwei, drei Partien ist man selbst ein erfahrener Spieler.

Der Startspieler hat leichte Vorteile, denn er beginnt jede neue Ebene des Turms, da erst jede einzelne Etage fertig gebaut werden muss, bevor man aufsteigt. Hier kann der Startspieler schon mal besser taktieren, aber auch der diagonal gesetzte Stein des Nachziehenden hat einiges an Siegpotenzial.

Zug-Optimierer unter den Vielspielern werden richtig viel grübeln können – und damit sollten auch Expertenspieler einen Blick darauf werfen, es kann sich lohnen.

 

FAZIT

„babel PICO“ ist ein unaufgeregtes Spiel, eine Partie dauert keine 10 Minuten, man kann sofort eine Revanche einfordern und will das auch meist. Es ist ein Spiel für zwei Spieler, jede Altersgruppe kommt damit zurecht und auch Vielspieler haben kein Problem, das Spiel zu spielen, denn es wirkt so strategisch, so komplex, obwohl es das nicht ist, gar nicht. Es ist easy, locker, relaxed – ja fast meditativ. Mit den Würfeln, die so wunderbar in der Hand liegen, dem Turm, den man so einfach und stabil aufbauen kann, mit jeder Niederlage, die einem das Gefühl gibt, es „aber jetzt“ zu wissen, wie es richtig zu spielen ist. Es gibt nicht viele Spiele, die für mich in die Kategorie „entspanntes Spiel“ fallen, das gehört da hinein. Obwohl es ein Duell ist, obwohl es einen Sieger gibt und damit einen Verlierer, irgendwie vermittelt das Spiel „Wohlfühlatmosphäre“. Kann ein Spiel es besser machen?

Darum vergebe ich für dieses so einfache, normale Spielchen stolze 4 Punkte. Nicht weil es sich mit anderen Spielen in dieser Punkteklasse messen könnte, sondern weil es ein ganz spezielles Spielgefühl vermittelt. Will ich es als „Wellness-Spiel“ bezeichnen?

Aber nicht falsch verstehen. Verbissene Spielernaturen werden ihre liebe Not mit dem Spiel haben, denn unbedingt gewinnen zu wollen in einem so „strategisch und planbar wirkenden“ Spiel kann schon mal kirre machen. Und übertreiben kann man es mit seinem Optimierungswahn jederzeit, wie man jedes andere Spiel auch zu-Tode-denken kann.

Ich meine, dieses Spiel will das nicht. Es ist ein so harmloses Spielchen, dass nicht nur mit den Würfeln die Hände schmeichelt, sondern auch die Hirnwindungen der Spieler. So schafft es das Spiel zwar nicht, den Spielerhimmel zu erreichen, aber eine flauschige Wolke ist durchaus möglich.

 

BEWERTUNG

Ein entspanntes Zwei-Personen-Spiel um Würfelklötzchen und den Bau eines Turms spricht alle Altersgruppen an und hält für alle Spielertypen jede Menge Spiellaune bereit. Anspielen!

+ tolles, stabiles Material
+ einfache Spielregeln
+ macht richtig Laune
– Verpackung wenig stabil (“normale” Spielschachtel wär besser)

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Zwei-Personen-Spiel für alle”

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