Tolle Aussattung erhöht den Spielspaß – “Iquazu” von HABA (Rezension)

Ich gehöre zu den Spielern, für die die Spielausstattung oft kaufentscheidend ist. Ein Spiel, dessen Material oder Grafik mich nicht ansprechen, hat in der Regel wenig Chancen. Da muss es schon wirklich gut sein. So finden sich aber im Umkehrschluss auch Spiele in meinem Regal, die grafisch toll und opulent ausgestattet sind, aber wo das Spiel selbst nicht wirklich überzeugend ist.

Im seltenen Fall trifft beides zu. Manchmal aber kann eine gute Ausstattung ein weniger gutes Spiel retten.

Iquazu kommt mit einer phantastischen Ausstattung daher. Der Wasserfall, um den es in dem Spiel geht, wird simuliert, indem über ein Schienensystem die einzelnen Wasserfallteile geschoben werden und damit immer einen Teil der Rückseite des Wasserfalls offen legen (der Teil des Wasserfalls, an dem der Drache Silon das Wasser aufhält – aber das ist ja eh klar). Das ist so toll gemacht, zudem ist das übrige Material hochwertig (vielleicht könnten die Wassertropfen etwas größer sein).

Das Spiel selbst ist ein einfaches Kartensammelspiel. Ich sammle Karten, kann dann gleiche Karten ausspielen und entsprechend der Anzahl und der Farbe der Karten einen Edelstein auf ein offenes und freies Feld hinter dem Wasserfall (also auf die gerade aufgedeckten Spalten) legen. Dabei versuche ich sowohl senkrecht als auch waagrecht Mehrheiten zu gewinnen, die mir Punkte oder Zusatzmöglichkeiten bieten. Das ist glückslastig und nicht wirklich neu. Etwas über den Durchschnitt hebt sich das Spielprinzip, da ich nicht nur eine Spalte sehe, sondern da fünf Spalten offen liegen, auf die ich meine Edelsteine einsetzen kann. Wenn die erste Spalte voll ist, wird sie ausgewertet und der Drache wandert eine Spalte weiter (eine weitere Spalte wird links aufgedeckt, wobei die Spalte rechts unter dem Wasserfall verschwindet). So kann man kurzfristig und mit wenig Karten Edelsteine einsetzen, die aber gleich wieder verschwinden, oder man setzt teuer (mit mehr Karten) in spätere Spalten ein, dort kann man mit seinen Edelsteinen mehrmals Wertungen auslösen. Das ist tricky, wird aber durch den Glücksfaktor ziemlich überdeckt.

So würde ich dem Spiel nur eine durchschnittliche Note geben, wäre da nicht die Ausstattung…

Es ist ein wahrer Genuss, den freien Wasserfall (also die Bewegung des Drachen Silon auf dem Wasserfall) wandern zu sehen. Es werden neue Bereiche hinter dem Wasserfall aufgedeckt, und andere Teile verschwinden wieder hinter brausenden Wassermassen. Das ist gelungen. Das Material passt sehr gut zusammen und es lässt sich leicht und sicher bewegen.

 

FAZIT

„Iquazu“ ist ein einfaches Kartensammelspiel für Familien und Kids ab 10 (mit Spielerfahrung ab 8) mit supertoller Aussttatung und relativ hohem Glücksanteil. Das Spiel erklärt sich in 10 Minuten, die Anleitung ist mit sehr vielen Beispielen sehr ausführlich und erklärt das Spiel perfekt. Es stellt keine hohen Anforderungen, nur das „in-die-Zukunft-planen“ kann Einstiegsprobleme bereiten, spätestens in der zweiten Partie hat man den Dreh raus. Bis zuletzt bleibt das Spiel spannend, denn die zu gewinnenden Punkte werden zum Ende hin immer höher. Man kann nicht viel neues in dem Spiel entdecken, aber es macht, vor allem dank der Ausstattung, Laune. Da die farbigen Edelsteine (aus Glas) auf dem farbigen Spielplan abgelegt werden, kann man die Farben nicht mehr so genau unterscheiden, was manchmal zu Fehlinterpretationen führt. Hier wären vielleicht größere Steinchen oder doch gar Pappplättchen spielbarer gewesen, zumindest für schon etwas schwächere Augen. Das Material wirkt sehr stabil, trotzdem könnte es mit der Zeit „ausleihern“ und damit an Stabilität verlieren.

Öfter im Spiel kann es zu Verwirrungen kommen, wer welches Kistchen an wen weiterschieben darf. Es gibt das Kistchen mit den Edelsteinen, aus dem jeder seine Steinchen nimmt und das den aktiven Spieler anzeigt. Ein zweites Kistchen, das mit den Wassertropfen“, dient dazu, leere Felder auf dem Wasserfall aufzufüllen und damit das Spiel voranzutreiben. Da muss man sich daran gewöhnen, wann man in welchen Fällen was mit den Kistchen machen darf. Gewohnungsbedürftig ist auch, dass man das Material diagonal in der Schachtel stapeln muss.

Wer einen ähnlichen Spielmechanismus sucht, ist mit „Zug um Zug“ gut bedient, „Iquazu“ ist etwas einfacher einzuordnen.

 

BEWERTUNG

einfaches Familienspiel mit opulenter Ausstattung (1 Punkt mehr dank der Ausstattung)

+ phantastisches Material

+ sehr gute Anleitung

+ interessante Wahl zwischen „billigem“ Sofortgewinn und „teurer“ Zukunftsplanung

– Edelsteinfarbe auf dem Spielplan teils schwer erkennbar

– teils verwirrend, wer welches Kistchen wohin schieben soll

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

Hits: 539

Kommentare sind geschlossen