Die Frage nach Geld oder Ruhm beantwortet Rajas of the Ganges von Inka und Markus Brand im Huch! Verlag (Rezension)

Geld oder Ruhm – oder beides? Nicht nur am Ganges scheint diese Frage von großer Bedeutung zu sein. Schließlich kann man hier nur gewinnen, wenn man sich auf beiden Leisten aufeinander zu bewegt. Auf welcher man dabei weiter kommt, ist egal. Die Marker bewegen sich gegenläufig aufeinander zu und irgendwann treffen sie sich und man gewinnt. Ok – thematisch ist das nicht einfach zu erklären, aber nehmen wir das Spiel als sog. „Euro-Game“, bei dem das Thema eher einen Kaufanreiz bietet denn wirklicher Spielhintergrund ist. Und das Thema Indien im Mittelalter ist durchaus unverbraucht und macht im Regal (sowohl im Laden wie auch im eigenen Spieleregal) einiges her. Und man kann einen Elefanten als Startspielerstein einsetzen. Auch schön.


Was machen wir in Indien am Ganges? Das Spiel „Rajas of the Ganges“ ist ein Arbeiter-Einsetzspiel, bei dem die meisten Aktionen mit Würfel bezahlt werden müssen. Man erwirbt Würfel, wirft diese sofort und muss nun mit der gewürfelten Zahl „arbeiten“. Dabei kann man bis zu zehn Würfel ansammeln, denn manche Aktionen muss man mit mehreren Würfeln bezahlen. Und da kommt es auch auf die Farbe an, denn vier verschiedene Farben gibt es und beim Bau von Gebietsplättchen zahlt man mit der entsprechenden Farbe.

Auf anderen Aktionsfeldern kann ich Würfel erwerben, tauschen, oder mir Personen im Palast als Helfer engagieren. Ich kann meine Provinz ausbauen mit Märkten und Gebäuden. Mein Boot kann ich auf dem Ganges bewegen und auf den unzähligen Bonusfeldern zusätzliche Boni holen oder ich kann bereits gebaute Marktplätze noch einmal werten, um Geld zu erhalten. Ruhmespunkte erhalte ich vor allem durch den Bau von vier verschiedenen Gebäuden in meiner Heimatprovinz.

Ein Zug geht dabei sehr schnell vor sich (Arbeiter einsetzen, Aktion bezahlen, Aktion ausführen). Es gibt kaum Wartezeit und man ist eigentlich ständig am Planen, was man selbst als nächstes macht. Wie bei jedem Arbeiter-Einsetzspiel kann einem der liebe Mitspieler schon mal ein Feld wegschnappen, aber bei so vielen Möglichkeiten findet sich immer etwas zu tun. Das Spiel dauert etwa zwei Stunden, die wie im Flug vergehen, auch wenn man sich nach ein paar Spielen wünscht, es könnte einen Tick schneller gehen.

Nach den ersten Runden, die einem zunächst etwas ratlos machen wegen der vielen Möglichkeiten, hat man schnell heraus, wie das Spiel läuft und man stürzt sich in seine Strategie und schon ist man in einem bis zuletzt spannenden Rennen, bei dem nie so richtig klar ist, wer vorne liegt, da jeder Spieler sich auf den zwei Wertungsleisten unterschiedlich schnell bewegt.

Und diese Wertungsleisten sind wirklich genial. Man bewegt sich aufeinander zu auf der Ruhmes- und Geldleiste. Treffen sich die beiden Wertungsmarker, wird das Spielende eingeläutet. Ob sich die Marker in der Mitte der Leisten treffen oder (extrem) man sich nur auf einer Leister bis zum Startfeld der anderen Leiste vorarbeitet, ist dabei egal. Und das macht es spannend, denn jeder bewegt sich anders und je näher das Spielende rückt, desto intensiver wird das Spiel. Aber dann kann es auch schon mal dauern, denn in den letzten Runden wird gerechnet, welcher Zug einem vielleicht ein Schrittchen auf einer Leiste mehr bringt.

Zunächst scheint ein Vorrücken auf der Geldleiste deutlich schneller zu gehen als auf der Ruhmesleiste (auch wenn man zwei Schritte auf der Geldleiste braucht gegenüber der Ruhmesleiste). Gebaute Märkte, die Geld bringen, kann man öfters im Spiel aktivieren (oft sogar kostenlos), so kann man pro Runde schon mal 10-15 Schritte vorwärts ziehen, Gebäude, die Ruhm bringen, werden nur beim Bau gewertet. Und Gebäude bauen kostet nicht nur viele Würfel in der richtigen Farbe, sondern auch Geld, um die Aktion ausführen zu dürfen. Zwar kann man auch hier schonmal (umgerechnet) 8 bis 12 Felder ziehen, aber das geht nur, wenn richtige Bauplättchen ausliegen, man die richtigen Würfel hat und man verliert auch wieder Geld, um bauen zu können. So meint man in den ersten Spielen, dass die Geldstrategie übermächtig ist. Aber auch hier gilt wie in vielen Spielen: Spielt nur einer die Geldstrategie, wird er gewinnen, spielen aber mehrere die Geldstrategie, kommen sie sich so ins Gehege, dass der andere Spieler der lachende Sieger wird. Das Spiel hat viel Potenzial, das entdeckt werden will, und die gegenläufigen Leisten sind ein wirklich tolles Spielelement.

 

FAZIT

Das Arbeiter-Einsetzspiel „Rajas of the Ganges“ ist für fortgeschrittene Spieler und Familien mit Spielerfahrung – und für diese Zielgruppe ist es ein sehr gutes Spiel. Expertenspieler haben ihren Spaß daran, das Spiel zu erkunden, nach ein paar Spielen scheint es aber ausgereizt. Es bietet außer den gegenläufigen Wertungsleisten wenig neues und schnell wirkt eine Partie wie die andere. Anfänger werden durch die vielen Aktionsmöglichkeiten und die unzähligen Bonusfelder schnell überfordert.

Durch das Würfeln kommt natürlich ein Glücksfaktor ins Spiel, der sich aber nicht spielentscheidend auswirkt, denn sowohl hohe als auch niedrige Werte sind nützlich, und mit Karma-Punkten kann man genug Einfluss üben, um „schlechte“ Würfel aufzuwerten.

 

Da das Spiel zwei Wertungsleisten hat, bieten sich drei wesentliche Strategien an: sich auf jeweils eine Leiste allein zu konzentrieren oder beide zu beachten. Hierbei sollte man aber konsequent bleiben. Eine langfristige Spielstrategie lohnt sich auf jeden Fall und sollte nur dann überdacht werden, wenn alle Spieler das Gleiche wollen. Die Geldstrategie scheint sehr stark zu sein, da Marktplätze öfter im Spiel gewertet werden können, Gebäude aber nur einmal Punkte bringen.

Das Spiel ist moderat komplex, es gibt viele verschiedene Aktionsfelder und viele, viele Bonusfelder, aber schnell ist klar, wie alles funktioniert. Die Angabe von 45 – 75 Minuten ist sportlich, 75– 120 Minuten scheint angebrachter zu sein. Der Aufbau geht dabei nicht ganz so einfach von der Hand, man muss Plättchen nach Farbe und dann nach Symbol sortieren und mischen, in den Spielvarianten kommen noch mehrere (ziemlich kleine) Plättchen hinzu, die nach speziellen Regeln ausgelegt werden.

Das Spiel ist spannend bis zuletzt. Es ist schwer abzusehen, wie sich die Strategien der einzelnen Spieler mit der Zeit entwickeln und wie schnell sie im Lauf des Spiels auf den Wertungsleisten vorwärts ziehen. Oft steht der Sieger erst in der letzten Runde fest, und die Spannung steigt im Lauf des Spiels konstant an. Der Wiederspielreiz ist nicht besonders hoch, erst durch die Varianten (dringend empfohlen) kommt Abwechslung ins Spiel.

Die Regeln sind klar formuliert, die Erklärzeit liegt bei 15 Minuten,. Der Einstieg ins Spiel fällt zunächst etwas schwer, weil man anfangs gar nicht weiß, was man tun soll, so viele Möglichkeiten bieten sich an, zudem ist die Orientierung auf dem Spielplan nicht einfach. Spätestens beim zweiten Spiel aber sind die Zusammenhänge klar und man kann sich vergnügt in dieses Spiel stürzen.

Das Material, besonders die Würfel sind hochwertig, die farbliche Abgrenzung zwischen grünen und blauen Würfeln ist bei schlechterer Beleuchtung etwas mühsam. Teilweise sind die Plättchen sehr klein. Das Spielbrett ist grafisch sehr überladen, auch hier braucht man seine Zeit, um sich zu orientieren. Alles etwas größer hätte dem Spiel gut getan, so muss man sich schon mal ärgern, wenn ein paar Plättchen verrutschen und man nicht mehr genau weiß, wo sie gelegen sind (Geldleiste).

 

BEWERTUNG

+ leicht zu lernendes Spiel mit moderatem Tiefgang
+ klare Icons erleichtern das Spiel
+ tolle Varianten im Spiel (empfohlen!)
+ Elefant als Startspielermarker
– Plättchen teils zu klein
– Spielbrett grafisch überladen

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“fortgeschrittenes Familienspiel oder leichtes Expertenspiel”

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