Affen, Papageien und Schatztruhen – eine Seefahrt, die ist lustig mit „Alles an Bord“ von Abacusspiele (Rezension)

„Ahoi“ sage ich bewundernd und spiele hier mit richtig guter Laune ein Kinderspiel, zumindest steht auf der Schachtel „ab 7“. Normalerweise sind solche Spiele (für Kids ab 7) für ältere SpielerInnen „mal eben so“ spielbar. Bei wenigen Spielen kommt auch für ältere Semester Laune auf. Aber hier habe ich ein lustiges Spielchen vor mir, das ebenso Spaß macht wie den „Kleinen“ am Tisch. Ich würde mich auch nicht scheuen, es für die „Erwachsenen-Runde“ auf den Tisch zu bringen. Es ist leichte Seemannskost, keine Frage, aber rundum ein fein geschnürtes Paket und gleitet schnittig über den Spieleozean (was für eine Wortphrase).

Das Spiel erinnert an „Galaxy Trucker“, ein wirklich tolles Spiel. Hier findet wir den kleineren Bruder oder eher den jüngsten Sohn des Spiels. Es ist ein Leichtgewicht, stellt keine großen Ansprüche, aber macht doch Laune, eine oder gar eine zweite Partie zu spielen. Eine angenehme Zwischendurchkost für Vielspieler, Familien werden daran ihren Spaß haben und Kids … denen gefällt es sowieso.

„Alles an Bord“ schickt uns auf zwei Seereisen mit unserem Schiff, das wir vorher mit Ausrüstung und Waren ausgestattet haben. Auf diesen Abenteuerreisen begegnen wir Piraten, können Handel treiben, haben Aufträge zu erfüllen und entdecken neue Dinge. Wieder zuhause werden die neuen Waren auf dem Schiff in Geld umgetauscht und am Spielende gewinnt, wer das meiste Geld hat.

Klingt zunächst ziemlich alltäglich, aber der Spielmechanismus ist toll gemacht. In der Tischmitte liegt ein bunt durcheinander gemischter Haufen an Ausrüstungsplättchen. Außen herum liegen die 13 Karten, auf denen wir sehen, welche Anforderungen im Laufe einer Reise an uns gestellt werden.

Da sehen wir, was wir von unserem Schiff an Ausrüstung oder Waren abgeben müssen, um eine entsprechende Belohnung zu erhalten. Alle 13 Karten wird man nicht bedienen können, also beschränkt man sich auf einige, die am meisten Waren, also Geld bringen. Dumm nur, wenn genau so ein Ausrüstungsteil nicht auf dem Haufen zu sehen ist.

Wie komme ich an die Ausrüstungsteile? Da ziehe ich (immer nur mit einer Hand) ein Teilchen und lege es in einen vorgesehenen Ablageplatz auf meinem Schiff. Einmal abgelegt, darf ich das Teil nicht mehr wegnehmen. Ich kann auch verdeckt liegende Teile umdrehen und sie offen ablegen. Das Ziehen der Teile vom Haufen machen alle Spieler gleichzeitig. Das ist herrliches Chaos. Dabei kann es schon mal ungestüm zugehen und man fühlt sich mehr als Pirat denn als Abenteurer. Aber das ist lustig. Ganz besonders, weil der erste, der sein Schiff beladen hat oder das Beladen beenden möchte, die offen liegenden Abenteuerkarten einsammelt und mischt. Jetzt können die anderen nicht mehr sehen, was auf den Karten an Ausrüstung gefordert wurde. Das ist richtig gemein. Und man kann auch nicht bei den anderen schauen, was sie so für Ausrüstungen auf ihren Schiffen haben, denn ein Teil der Ausrüstung wird hinter einer Bordwand versteckt gesammelt.

Man muss schnell sein, muss sich die Karten merken können, muss sich merken können, was man schon eingesammelt hat, und obendrein kommt dazu, dass manche Karten Belohnungen bringen, die ich für die Erfüllung anderer Karten brauche. Aber ich weiß ja nicht, in welcher Reihenfolge die Karten kommen. Da muss man schon mal zocken. Man wird gefordert und je schneller ein Mitspieler sein Schiff vollbaut, desto fordernder wird das Spiel.

Wenn dann alle ihre Schiffe fertig haben, werden die 13 Karten in zufälliger Reihenfolge aufgedeckt und jeder kann sich entscheiden, ob er diese Karte bedient, also die geforderten Teile von seinem Schiff abgibt und dafür die Belohnung erhält, oder ob der die Karte nicht bedient.

Am Ende der Reise erhält man für die gesammelten Waren Geld. Jeweils 10 Geldmünzen werden in Schatztruhen umgetauscht, die man auf sein Schiff legen muss und für die zweite Reise Platz wegnehmen. Toll gelöst. Wer eine erfolgreiche erste Schiffsreise hinter sich hat, wird für die zweite mit einem kleinen Hindernis belegt.

Und wer am wenigsten Geld hat, erhält einen Papagei, der in der zweiten Runde als beliebiger Joker dient. Und wenn manche Spieler gegen andere einfach keine Chance haben, dann kann man den erfahrenen Spielern ein Äffchen geben. Das blockiert einen Platz auf dem Schiff und dient sonst zu gar nichts. Ein paar einfache Tricks, um das Spiel für alle Spieler ausgeglichen zu gestalten.

 


FAZIT

„Alles an Bord“ ist ein leichtgewichtiges Teilchen-Sammel-Spiel mit wunderbarem, hochwertigem Material, das für Familien in jeder Alterskombination sehr gut funktioniert und richtig Spaß macht. Der Glücksfaktor ist gering, strategisches Denken bringt aber auch keine Vorteile. Das Spiel stellt keine hohen Forderungen, aber benötigt doch genug Konzentration, um alle am Tisch zu fesseln. Eigentlich ist es ein sehr simples Spiel, das aber sehr rund wirkt und sich so leicht spielt, dass man wirklich gut unterhalten wird.

Es dauert etwa 30 Minuten, da alle gleichzeitig spielen entsteht keine Wartezeit für die SpielerInnen. Es ist schnell erklärt, die Anleitung ist kurz aber präzise und lässt keine Fragen offen.

Da 52 Karten im Spiel enthalten sind, für jede Seereise nur 13 verwendet werden, und diese stets neu zusammengemischt werden, ergibt sich jedesmal wieder ein neues Spiel.

Variabel ist das Spiel außerdem, da man die Zusammensetzung der Karten beliebig bestimmen kann (mehr Piraten oder mehr Handel, mehr Entdeckungen oder mehr Aufträge). Und mit den Äffchen als „Strafe“ für zu gute Spieler kann man das Spiel sehr gut ausbalancieren.

Dass das Material toll ist, habe ich bereits gesagt, die Grafiken sind wunderschön und versetzen einen sofort in Seefahrt-Laune. Familien mit Kids ab 7 sollten sich dieses Spiel unbedingt ansehen, Vielspieler haben wohl auch ihren Spaß daran, mal zwischendurch eine Seefahrt zu machen. Oder sie greifen zu dem ähnlichen aber deutlich komplexeren Spiel „Galaxy Trucker“. Man darf aber auch beide zuhause im Spielregal haben.

 

BEWERTUNG

Familienspiel mit Spaß für alle Altersgruppen

+ tolles Material und schöne Grafik

+ schnell erklärt

+ kann gut ausbalanciert werden zwischen Anfängern und erfahrenen Spielern

– manchmal etwas chaotisch bei der Teilchenwahl

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

Ihr wollt wissen, wie sich Alles an Board spielt?
Dann schaut Euch doch das lustige Video von Ü50 spielt an:

 

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“Familienspiele” und “Generationentaugliche Spiele”

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