Keine Farm und trotzdem genial – Patchwork von “Agricola-Uwe” Rosenberg (Rezension)

Knöpfe und Stoffflicken. Nicht meine Welt. Und wenn ein Spiel sich um Knöpfe und Stoffflicken dreht, ist es nicht wirklich auf meinem Radar. Monsterjagen in verwunschenen Verliesen, ja das passt zu meinem realen Leben, aber Knöpfe und Stoffflicken?

Zum Glück ist “Patchwork”, das Spiel mit … genau! … Stoffflicken und Knöpfen, ein völlig abstraktes tetrisähnliches Legespiel. Der thematische Bezug ist nur für den Grafiker, der sich hier richtig in Szene setzen konnte, sonst aber bleibt ein taktisches, einfaches und geniales Legespiel für zwei Spieler.

Im Kreis liegen tetrisähnliche Teilchen (die Stoffflicken). Beginnend beim Startpöpel kann man einen von den ersten drei Flicken wählen und ihn auf sein Spielbrett legen. Dabei muss man aber die Flicken bezahlen (mit Knöpfen und Zeit). Man kann seinen Spielstein auf dem Zeitplan aber auch direkt vor den gegnerischen Stein ziehen und erhält Knöpfe entsprechend der gezogenen Felder. Genial ist, dass man nicht nur Knöpfe zahlen muss, sondern auch mit Zeiteinheiten. Das heißt, für jeden Flicken gebe ich Knöpfe ab und muss auf dem Zeitplan eine bestimmte Anzahl an Felder nach vorne fahren. Der Spieler, der auf dieser Leiste weiter hinten steht, ist an der Reihe. Da kann es vorkommen, dass ein Spieler ein paarmal hintereinander an Zug ist. Eine feine taktische Finesse. Zugegeben, nicht neu, aber für dieses Spiel ideal. Hin und wieder werden Sonderwertungen ausgelöst und man erhält Knöpfe entsprechend der Anzahl an verbauten Knöpfen auf seinem Spielbrett.

Die genommenen Flicken müssen auf einem 9 x 9 Felder großen Spielbrett abgelegt werden, dass sie sich nicht überschneiden, nicht über den Rand schauen und möglichst wenig Platz freilassen. Wer sein Feld am besten füllt, möglichst viele Knöpfe erreicht und geschickt die Zwischenwertungen nutzt, gewinnt das Spiel.

 

FAZIT

Ein wirklich einfaches und geniales Spiel von Uwe Rosenberg, der mit Agricola der Spielewelt einen Klassiker geschenkt hat. Hier auf sehr ungewohntem Gebiet, nämlich einem “einfachen” Familienspiel, ohne Bauernhof, ohne Tiere und Getreide, ohne Karten, aber mit einem wirklich großartigem taktischen Spielchen für zwei Spieler.

Einfache Regeln, schnell erklärt, und doch mit genug Anspruch, um jede Altersgruppe anzusprechen. Das Ablegen der verschiedenen Flicken fordert etwas Planung, aber schnell hat man den Bogen raus, möglichst ohne Zwischenräume zu bauen (diese bringen am Schluss Minuspunkte). Je öfters man spielt, desto einfacher erscheint einem die Legearbeit.

Liebevoll gezeichnet (auch wenn Stoffflicken und Knöpfe nicht unbedingt meine Welt … ihr wisst schon) macht dieses Spiel richtig Spaß. Zuzusehen, wie die eigene Decke langsam mit den Stoffresten vollgeflickt wird, das ist spannend, unterhaltsam und bei der geringen Spielzeit kurzweilig und regt zur sofortigen Revanche an.

Ein wirklich gelungenes Zweierspiel. Wer mit mehr Personen Spaß haben will, sollte zu Rosenbergs anderen Spielen aus seiner “Tetris-Reihe” greifen.  “Cottage Garden” oder “Indian Summer” greifen das Thema auf und bereiten es mit ein paar mehr Kniffs für bis zu vier Spielern auf. Besonders das erstgenannte wäre die logische Fortsetzung von “Patchwork” für die ganze Familie.

BEWERTUNG

+ schnell gelernt

+ einfache Regeln

+ tolle Grafik

+ für alle Altersgruppen unterhaltsam mit einem moderaten taktischen Anspruch

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

Ihr wollt wissen, wie man Patchwork spielt?
Dann kommt hier das Video von Ü50 spielt:

 

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“Familienspiel”

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