Glücksspiel in genialer Schachtel – “Würfelland” macht vieles richtig (Rezension)

Würfelspiele tendieren dazu, zu einem Such-den-Würfel-unter-dem-Tisch-Spiel zu werden. Ohne Würfelbecher fliegen die Würfel über den Tisch und stürzen sich – Lemmingen gleich – in den Abgrund. „Würfelland“ ist ein Würfelspiel, bei dem man gleich sechs Würfel wirft. Aber „Würfelland“ macht es richtig.

Der Deckel der kleinen Schachtel ist gleichzeitig die Würfelarena, da kullern die nicht ziellos über den Tisch, und er ist mit Schaumstoff ausgepolstert, so ist das Spiel auch nicht allzu störend für die Nicht-Mitspieler im Haushalt oder die am Nebentisch. Genial. Wirklich gut gemacht, liebe Leute vom Nürnberger Spielkartenverlag (NSV).

Kann das Spiel mit der Schachtel mithalten? Jeder der bis zu vier Spieler erhält seine eigene Spieltafel. Darauf sind viele farbige Sechsecke (sechs Farben insgesamt) in Gebieten zu mehreren zusammenhängenden Farben aufgedruckt. Auf manchen dieser Felder sind Sterne (Schätze). Wer nun am Zug ist, wirft die sechs Würfel (in die geniale Schachtel-Würfer-Arena) und entscheidet sich für eine Farbe. Von dieser Farbe nimmt er alle Würfel beiseite und kann weitermachen oder er stoppt jetzt. Macht er weiter, wirft er die restlichen Würfel und muss die Würfel, die die bereits herausgenommene Farbe zeigen, ebenfalls herausnehmen. Ist kein Würfel in dieser Farbe dabei, muss er stoppen, wenn Würfel dabei sind, kann er sich wieder entscheiden weiterzumachen oder zu stoppen.

Jetzt (in Phase 2) muss der Spieler auf seinem Plan zu jedem Würfel seiner gewählten Farbe ein Feld ankreuzen. Dabei gibt es ein paar einfache Regeln, so muss zuerst ein Gebiet komplett abgeschlossen werden, bevor (in einer nächsten Runde) ein weiteres Gebiet dieser Farbe begonnen werden darf. Sollte er mehr Würfel der Farbe beiseite gelegt haben als noch Felder in einem Gebiet frei sind, darf er nichts ankreuzen, er hat überwürfelt.

Gleichzeitig mit dem aktiven Spieler darf jeder nicht-aktive Spieler eine beliebige andere Farbe aus den übrigen Würfeln auswählen und auf ihrem Gebiet ankreuzen (es gelten die gleichen Regeln).

So hat der aktive Spieler in der Hand, wie oft er würfelt und ob er sein Glück weiter herausfordern will, um mehr Würfel seiner Farbe zu erhalten und den Mitspielern möglichst wenig farbgleiche Würfel zu überlassen. Diese Entscheidungen sind immer ein bisschen knifflig und Glück und Peck liegen sehr sehr nah beisammen. Aber genau das ist dieses Spiel. Und es macht Spaß. Klar muss man mit Pech umgehen können und wenn jemand ständig genau richtig würfelt, man selber aber keinen grünen Blumentopf erwürfeln kann, dann ist es ein reines Ärgerspiel. Aber so sind diese „Push-your-Luck-“ „Forder-dein-Glück-heraus-“Spiele eben. Spannend sowieso, Schadenfreude garantiert und man kann so herrlich über sein nicht vorhandenes Glück jammern.

Kreuzt der Spieler ein Feld mit einem Schatz an, darf er noch einmal mit diesmal fünf Würfeln würfeln und wiederum eine Farbe wählen und hier entsprechend viele Felder ankreuzen – als Belohnung. Spielende ist erreicht, wenn ein Spieler 9 beliebige Schatzfelder und alle Felder einer beliebigen Farbe angekreuzt hat.

FAZIT

Das Beste am Spiel ist die Schachtel, aber das Spiel selbst bietet kurzweilige Unterhaltung beim Herausfordern seines Glücks, ein bisschen taktisches Geschick und viel Spaß. Die Stifte, mit denen man sein Gebiet markiert, sind im Spiel enthalten und die Tafeln sind mit trockenem Tuch perfekt abzuwischen (leider auch mit den Fingern oder Ärmeln). Ärgerlich ist, dass die Würfelfarben Gelb und Orange sehr ähnlich sind und dass nur Farben verwendet wurden und keine Symbole. Leute mit Farbsehschwäche haben wohl keine Chance, das Spiel spielen zu können. Schade, dabei ist es ein perfektes kurzweiliges Familienspiel für groß und klein, ohne Ansprüche zu stellen und mit hohem Unterhaltungsfaktor, wenn man Glücksspiele, besonders Würfelspiele mag.

Es wird leicht unübersichtlich, und oft genug verliert man den Überblick, welches Gebiet man bereits begonnen hat und plötzlich entdecktman wieder bei sich oder dem Mitspielern fehlerhaft begonnene Gebiete. Da muss man gut aufpassen, denn im Eifer des Würfelgefechts kommt schnell was durcheinander.

Nach 20 Minuten ist es gespielt und man kann gleich neu beginnen, sein Glück diesmal zu finden. Das Material ist zum Beschriften und Abwischen sehr gut, der Übersichtlichkeit willen hätte alles etwas größer sein können, die Grafik ist zweckdienlich, ein bisschen mehr Verzierung wäre nicht verkehrt und Symbole zusätzlich zu den Farben wären notwendig gewesen.

 

BEWERTUNG

+ schnell erklärt und schnell ausgepackt
+ geniale Schachtel-Deckel-Lösung
+ Material sehr gut spielbar, Tafeln gut abwischbar
+/- Glücksspiel mit hohem Glücks-/Pech-Faktor
– Grafik für Leute mit Sehschwäche problematisch
– wenig übersichtlich mit fortschreitender Spieldauer

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

Ihr wollt wissen, wie sich Würfelland spielt?
Dann schaut Euch doch das Video von Ü50 spielt an:

 

 

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“einfaches Familienspiel” und “Generationentaugliche Spiele”

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