Die Quacksalber von Quedlinburg von Schmidt Spiele (Rezension)

Eine Prise Alraunwurzel, ein Stückchen von dem Fliegenpilz, einen Totenkopffalter, für den Geschmack ein paar Würfelchen Kürbis und … hm … vielleicht noch einen Hauch Geisteratem … O NEIN. KAWUMM! Mist, jetzt ist mir der Kessel schon wieder explodiert. Wieder zuviele Knallerbsen mit hineingeraten. Also nochmal von vorn …

Was sich nach einer Prüfung für Apothekerlehrlinge anhört ist der ganz normale Alltag eines Quacksalbers auf dem Marktplatz in Quedlinburg, zumindest wenn man dem Spielerfinder Wolfgang Warsch glauben darf, der mit dem Spiel „Die Quacksalber von Quedlinburg“ ein „Bag-Building“-Spiel für kleine und große Kurpfuscher, also uns, ein leicht gehobeneres Familienspiel mit toller Ausstattung ins Osternest legen will.

Was ist „Bag-Building“? Man hat in einem Beutel ein paar Chips. Am Ende einer Runde kann man (sofern man Geld hat) weitere Chips kaufen und so passt man den Inhalt des Beutels an seine Wünsche an. Dabei gibt es sieben unterschiedliche Chips mit jeweils drei verschiedenen Werten. Was macht man mit dem Beutel? Hier kommt eine weitere bekannte Spielmechanik dazu: „Push Your Luck“. Probier dein Glück, aber überreize es nicht.

Man zieht in jeder der neun Runden nacheinander einen Chip aus dem Beutel und legt ihn in seinen Kessel auf eine ansteigende Leiste. Je höher der Wert des Chips, desto weiter darf man ihn legen. Je weiter und höher man auf dieser Leiste aufsteigen kann, desto mehr Punkte erhält man am Ende der Runde und hat mehr Geld zum Einkauf weiterer Chips zur Verfügung.

Aber Achtung! Im Beutel befinden sich von Anfang an sieben Chips mit Knallerbsen mit den Werten 1, 2 und 3. Zieht man zu oft aus dem Beutel und ergibt die Summe der gezogenen Knallerbsen 8 oder mehr, explodiert der Kessel, man kann nicht mehr weiterziehen und am Ende der Runde erhält man entweder Punkte oder Geld, nicht beides. Da ist Zocken angesagt. Wage ich noch einen Chip zu ziehen, um mehr Punkte und mehr Geld zu bekommen? Oder lieber doch nicht?

Das ist jedes Mal spannend und man freut sich über jede glückliche Hand. Im Lauf des Spiels wird die Wahrscheinlichkeit, die Knallerbsen zu ziehen immer geringer, weil sich der Beutel mit anderen Chips füllt. Man kommt weiter auf der Kesselleiste und kann die wirklich guten 4er-Chips kaufen. Wer nach neun Runden insgesamt die meisten Punkte erreicht hat, gewinnt und wird der beste Quacksalber von Quedlinburg.

Die gezogenen Chips haben aber auch noch eine weitere Funktion. Zu Beginn des Spiels einigt man sich auf ein Set von Zutatenbüchern, die die Zusatzfunktion der Chips anzeigen. Zu jeder Farbe gibt es dabei vier Bücher, aber nur jeweils eines ist im Spiel. So ergeben sich weit über 2.000 unterschiedliche Varianten, die ein Spiel jedesmal wieder neu und anders machen. Zum Beispiel gibt es die Möglichkeit, dass ich einen roten Chip weiter vorziehen darf, je mehr orange Chips bereits im Kessel sind (da lohnt sich orange zu sammeln) oder mit einem gelben Chip kann ich den unmittelbar davor liegenden Knallerbsenchip wieder in den Beutel werfen. Und so weiter…

 

FAZIT
„Die Quacksalber von Quedlinburg“ ist ein wunderschön ausgestattetes leicht fortgeschrittenes Familienspiel (für Kids ab 10 Jahren) mit leichten und eingängigen Regeln, tollem Material und hohem Wiederspielreiz. Dieses Spiel dient auch als Wegbereiter für etwas komplexere Spiele. Man füllt seinen Beutel im Lauf der Zeit und fordert sein Glück beim Ziehen der Chips. Spannend und aufregend. Wer vom Pech verfolgt wird, hat keine Chance in dem Spiel, wer immer nur Glück hat, wird das Spiel lieben. Zu zauderhaft darf man nicht sein, aber wenn der Kessel explodiert, ist es auch kein Untergang. Der Autor hat „Bag-Building“ und „Push Your Luck“ sehr gut kombiniert und zu einer spannenden Mixtur vereint.

Das Spiel spielt sich flüssig, ohne Wartezeit, denn es ist jeder ständig dran. Nur manchmal, wenn man selbst nicht mehr ziehen will, muss man dem Mitspieler zusehen, wie er einen guten Chip nach dem anderen zieht und schier nicht mehr aufhören will, bis sein Kessel endlich explodiert. Wer also mit Glücksspielen nichts anfangen kann, Finger weg. Schadensfreude ist aber garantiert.

Das Spiel ist eine gelungene Mischung aus Glück, Spannung, etwas Strategie (welche Chips kaufe ich in meinem Beutel) und viel Spaß, wenn es mal wieder KAWUMM macht.

Material ist toll, ob die Chips viele Spiele aushalten und nicht schnell abgegriffen werden beim Aus-dem-Beutel-ziehen, muss sich erst mit der Zeit herausstellen. Die Grafiken sind gelungen, die Bücher und der Kessel machen das Spiel zu einem echten Hinkucker.

Das Spiel dauert vielleicht ein oder zwei Runden zu lange, aber das kann man vor dem Spiel ja jederzeit absprechen. Die Anleitung ist gut, mit hilfreichen Beispielen, auch wenn ich sie mir grafisch etwas lesbarer gewünscht hätte, um bestimmte Themen schneller zu finden. Und bitte nicht vor den acht dicht beschriebenen Seiten abschrecken lassen, einmal gespielt ist es einfach und der Ablauf ist klar und eindeutig, vor allem, da auf der Punkteleiste die einzelnen Schritte einer Runde angedeutet sind.

 

BEWERTUNG

+ sehr schöne Grafik

+ gutes Material

+ flott gespielt

+ nichts für Pechvögel, Schadensfreude garantiert

– Einstieg etwas mühsam

– Spielaufbau kostet etwas Zeit

– 1 oder 2 Runden zu lang

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

Ihr wollt sehen, wie sich das Spielt spielt?
Dann schaut Euch doch das Video von Ü50 spielt an:

 

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