Ist der Koala ein Bär? Bärenpark von Lookout Spiele (Rezension)

Der Koala, eines der typischen Tiere Australiens, ist – obwohl er aussieht wie ein knuddeliger Teddybär – ist ein Beuteltier und kein Bär. Dass der australische Spieleerfinder Walker-Harding den Koala trotzdem in seinen Bärenpark setzt, ist verwunderlich, aber immerhin wird es in dem Regelheft erklärt. Man hätte natürlich andere Bärenarten finden können, aber na gut, jetzt lebt der Koala eben im Bärenpark.

Was uns zu dem Spiel „Bärenpark“ bringt. Wir legen unterschiedliche Tetris-bekannte Teile auf unseren Spielplan. Überdecken wir dabei bestimmte Symbole, können wir uns weitere Teile aus dem allgemeinen Vorrat nehmen, um diese in späteren Spielrunden abzulegen.

Dabei haben die Teile unterschiedliche Punkte. Von den einen gibt es eine ganze Anzahl, deren zuoberst liegendes Teil die meisten Punkte gibt (hier muss man möglichst schnell sein, um die dicken Punkte abzugreifen). Von den höherwertigen Teilen gibt es jeweils nur ein Stück, und deren Form ist schon eine Herausforderung, sie richtig anlegen zu können (aber auch hier muss man schnell sein, sonst gehen die dicken Punkte an die Mitspieler).

Es gibt noch „Füllteile“, die die entstehenden Lücken füllen können, damit man bei vollständiger Abdeckung eines seiner Flächen eine punktebringende Bärenstatue aufstellen kann (hier muss man schnell sein, damit man die Statuen mit den dicken Punkten erhält).

Aufgepasst? Es geht um Schnelligkeit. Wer glaubt, das Spiel sei ein einfaches, sehr entspanntes Teilchen-Lege-Spiel (es gibt beim Legen selbst keine Konkurrenz), der täuscht sich. So einfach das Spiel klingt, es ist ein Wettlauf. Am Ende eines Spielt trennen die Mitspieler nur wenige Punkte. Es kommt also darauf an, das Teil mit den sechs Punkten zu bekommen statt eines mit weniger Punkten.

Man muss also möglichst schnell die entsprechenden Symbole auf seinem Arbeitsplan überdecken. Dabei legt man schon mal kreuz und quer, und wundert sich hinterher, dass man die entstandenen Lücken nicht mehr füllen kann. Und schon gehen die letzten Punkteteile an die Mitspieler und der Vorsprung ist dahin.

Apropos Vorsprung. Während des Spiels weiß man nicht, wo man punktemäßig steht. Natürlich könnte man die offen liegenden Punkteplättchen abzählen, aber es gibt keine Punkteleiste. Die Auswertung am Schluss bringt dann schon mal eine dicke Überraschung.

„Bärenpark“ ist ein flottes, schnell gelerntes Spiel mit tollem Material – ein einfaches Familienspiel für alle Generationen. Durch die Erweiterung (im Spiel enthalten) wird es etwas komplexer (hier kommen Auftragskarten ins Spiel – wer zuerst eine bestimmte Bedingung erfüllt, bekommt Punkte. Auch hier heißt es schnell zu sein, denn wer zuerst kommt, bekommt die dicken Punkte).

Weniger optimal ist die Spielvorbereitung. Das dauert. Da müssen die ganzen Teile auf der Auslage platziert werden, einige der Teile müssen entsprechend der Punkte sortiert werden, bei nur 2 oder 3 Spielern müssen dann ein paar Plättchen wieder entfernt werden. Das ist mühsam.

Dass das Spiel ziemlich wenig mit dem Thema zu tun hat, muss man deutlich bei der Spielerklärung sagen. Denn es kommt nicht darauf an, einen möglichst funktionalen oder interessanten Park mit Bärengehegen zu bauen. Da muss schon mal die Toilette an das äußerste Ende des Parks und die Imbissbuden ins andere Eck und das Gehege mit Wüstenklima direkt neben das Eisbärengehege gelegt werden. Es kommt nur auf die optimale Auslage in möglichst kürzester Zeit mit möglichst wertvollen Punkteplättchen an. Schade irgendwie, denn die Grafiken auf den einzelnen Plättchen (alle unterschiedlich) verleiten schon dazu, einen gefälligen Park zu bauen.

 

FAZIT
Das Tetris-Teile-Legespiel „Bärenpark“ ist ein einfaches Familienspiel (für Kids ab 7 mit etwas Unterstützung), ein idealer Einstieg ins Spielehobby und für alle Altersklassen geeignet. Wenig Interaktion unterstützt die Familienfreundlichkeit, man baut an seinem Park und keiner stört einen. Nur bei der Plättchenauswahl herrscht Konkurrenz, wer zuerst kommt, holt sich die Teile mit den besseren Punkten.

Mit den Auftragskarten wird das Spiel auch für erfahrenere Spielfamilien interessant. Expertenspieler finden es wohl „zu flach“, auch wenn es eine Herausforderung darstellt, seine Baufelder optimal UND schnell zu füllen. Strategisch also durchaus herausfordernd, denn nur wer es schafft, die Teile schnell aus dem Vorrat zu nehmen und dann abzulegen und schließlich die Lücken sinnvoll zu füllen, wird Bärenpark-König.

+ tolles Material

+ einfache Regeln

+ ideales Einstiegsspiel

– keine Punkteübersicht während des Spiels

– langwierige Spielvorbereitung

– Thema verfehlt

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

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“Familienspiele”

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