Geld haben wir genug, also trachten wir nach Ruhm – Mercado von Kosmos (Rezension)

Wohlhabend sind wir bereits. Noch mehr Geld ansammeln müssen wir daher wirklich nicht. Da gibt es dann nicht mehr viel, was wir noch anstreben können, um unser Glücksgefühl zu vergrößern. Wenn man alles besitzt, dann kann man wohl nur noch nach Macht streben. Und für Macht braucht es Ruhm. Nur wenn wir in der Gesellschaft angesehen und akzeptiert sind, können wir unsere Macht ausbauen. Und wie kann man besser Ruhm erlangen, als dadurch, dass man besondere, einzigartige, außergewöhnliche Dinge besitzt und diese zur Schau stellt? Also machen wir uns auf den Weg zum Markt der schönen Dinge, um die Schönsten Gegenstände zu erwerben. Nur wenn wir das besonders geschickt anstellen und aufpassen, dass uns kein Falschgeld untergejubelt wird, werden wir unseren Ruhm vermehren können.

Wenn da nicht immer die leidige Konkurrenz wäre. Aber auch dafür fällt uns etwas ein: Ganz gerissen umnebeln wir unsere Mitstreiter mit betörenden Düften, immer in der Hoffnung dass wir dadurch einen Vorsprung erhalten. Ein paar Privilegien hier und da, der ein oder andere geschickte Kauf beim Händler und schon ist uns sicher, der ruhmreichste Bürger der Stadt Mercado zu werden.

 

Das Spiel
Mercado ist ein Spiel von Rüdiger Dorn und ganz aktuell bei Kosmos erschienen. Es kann mit 2-4 Spielern und ab 10 Jahren gespielt werden.
Bei Mercado sind die Mitspieler reiche Bürger, die – wie in der Einleitung beschrieben – versuchen ihren Ruhm zu mehren. Jedem Spieler steht dafür ein eigener Sack mit verschiedenfarbigen Münzen zur Verfügung. Sobald man an der Reihe ist, kann man drei dieser Münzen ziehen und dann im Markt anlegen. Der Markt besteht aus verschiedenen Händlern, die besondere Gegenstände und Düfte anbieten.  An diese Karten kann der Spieler nun seine gezogenen Münzen legen. Jede Karte verlangt eine andere Kombination an Münzen, um den Gegenstand erwerben zu können. Da es teilweise mehrere Runden benötigt, um die geforderten Münzen zu erhalten, legt der Spieler die Münzen an die Seite an, die seiner Spielerfarbe zugeordnet ist.

Andere Spieler können in ihrem Zug an die gleiche Tafel anlegen und somit versuchen die geforderten Münzen schneller abgeben zu können, als der Mitspieler. Wer zuerst bezahlen kann, was der Händler verlangt, erhält die Ware ( und damit Siegpunkte, Privilegien, Joker usw.). Werden Dürfte erworben, haben diese meist zusätzlich negative Auswirkungen auf die Mitspieler. Hierbei erhalten diese z.B. Falschgeld in ihren Beutel (schwarze Münzen). Wenn Falschgeld gezogen wird, muss dieses auf das Spielertableau abgelegt werden und der Spieler kann somit weniger Münzen in den Markt legen. Auch beim Kauf einer Ware muss der Spieler seine Münzen auf das Spielertableau legen. Der 2. platzierte Spieler auf einer Warenkarte erhält ein Siegel als Entschädigung (außer ein Duft verhindert dies). Siegel können eingesetzt werden, damit zwei Münzen mehr aus dem Beutel gezogen werden können.


Anstatt Münzen zu ziehen kann der Spieler auch alle auf dem Tableau liegenden Münzen wieder in den Beutel legen. Weiterhin ist es möglich vor jedem Zug ein Privileg auszuspielen, das gewisse Vorteile verschafft. Diese erhält man auf den Markttafeln, die dauerhaft ausliegen und bei deren Händlern somit immer eingekauft werden kann. Die anderen Händlerkarten werden nach Erfüllung immer ausgetauscht.
Die Siegpunkte werden auf dem Spielplan vorangezogen. Hier gibt es zudem Felder mit Effekten, die positive und auch negative Auswirkungen auf den Spieler haben, der es alleinig mit seinem Spielstein betritt.

Das Spiel endet, wenn ein Spieler das Startplättchen auf der Zählleiste erreicht/überschreitet und die aktuelle Runde zu Ende gespielt wurde. Wer dann den meisten Ruhm erlangen konnte (inkl. nicht eingesetzter Siegel/Privilegien), gewinnt das Spiel.

 

 

Fazit
Mercado ist ein sehr schönes Familienspiel, das sich recht schnell spielen lässt. Die angegeben 30 Minuten kann man bei Vollbesetzung zwar etwas überschreiten, doch mit 2-3 Spielern kommt das sehr gut hin. Die Regeln von Mercado sind sehr übersichtlich und verständlich aufgebaut und so kommt man bereits nach kurzer Zeit ins Spiel. Für die Symboliken auf Händlerkarten und Privilegien benötigt man auch höchstens 2-3 Runden, um sie verinnerlicht zu haben. Sie sind sehr passend zu ihren Aktionen gezeichnet. Die Grafik gefällt uns ausgesprochen gut. Man kann sich wunderbar als wohlhabender Bürger fühlen, der auf dem Markt wundervolle Dinge einkauft. Und der Kelch auf der Spieleschachtel ist wirklich der Hit. Ein Lob an den Grafiker.


Wie spielt sich Mercado nun? Mercado spielt sich vor allem flüssig. Die Geschichte des Spieles findet sich wirklich in Mercado wieder. Das Ziehen aus dem Beutel ist dabei ein besonders gelungener Schachzug. Sobald man Falschgeld zieht, schränkt es die Möglichkeiten auf dem Markt ein. Und nachdem jede Münzart nur 5x im Beutel vorhanden ist, ist es reine Mathematik einschätzen zu können, mit welcher Wahrscheinlichkeit man nun die gewünschte Farbe ziehen wird. Auch abzuwägen, wann die Münzen vom Tableau wieder in den Beutel kommen sollten, bedarf natürlich der Einschätzung der Wahrscheinlichkeiten und hängt von der Auslage ab.

Interessant ist auch der Mechanismus, dass JEDER Spieler an einer Ware die geforderten Münzen sammeln kann. Ärgerlich ist es dann nur, wenn der Mitspieler immer und immer wieder schneller das Ziel erreicht. Dies ist natürlich in einem gewissen Glücksfaktor begründet (durch das Ziehen der Münzen aus dem Beutel). Das kann dann hier und da ein wenig zu Frust führen. Auch die Düfte sorgen für ein wenig Konflikt unter den Bürgern. Denn wenn sie erworben werden, müssen die anderen Spieler Falschgeld ziehen oder gar Privilegien ablegen. Hier findet also ein wenig Konfrontation statt und das muss man mögen.


Für Diejenigen, denen ein wenig Glück und Konfrontation aber nichts macht, ist Mercado ein tolles Familienspiel. Es bietet einen leichten Zugang, wird schnell gespielt und ist sehr schön gestaltet. Auch die Generationentauglichkeit ist gegeben. Es kann wunderbar mit Jung (ab 10 Jahren) bis Alt gespielt werden und auch SeniorInnen dürften gut mit Mercado zurechtkommen. Lediglich die Privilegien und Siegel hätten etwas größer ausfallen dürfen.

(Eine Rezension von Petra Fuchs)

 

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“Familienspiele und Generationentaugliche Spiele”

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