Gemeinsam und wortlos gegen das Spiel: The Mind von NSV (Rezension)

Kooperative Spiele stehen hoch im Kurs: Gemeinsam kämpft man gegen das Spiel. Keine Spielvariante lässt Spieler mehr zusammenwachsen. Es wird sich geholfen, Tipps gegeben und zusammen Höhen und Tiefen erlebt. Entweder ärgern sich alle gemeinsam oder man kann miteinander vor Freude jubeln. Bei kooperativen Spielen ist selten jemand außen vor, keiner muss das Gefühl haben, der „Schlechteste“ zu sein. Je nach Spiel konzentriert man sich auf eine gewisse Rolle mit speziellen Fähigkeiten und versucht diese mit den anderen Personen in Einklang zu bringen. Meist sind kooperative Spiele äußerst kommunikativ und sie leben davon, dass man sich untereinander berät, was wohl als nächstes zu tun ist…



Anders ist dies allerdings bei dem Spiel, das wir Euch heute vorstellen. Es ist kooperativ. Das heißt, man gewinnt oder verliert gemeinsam. Aber da hören die Gemeinsamkeiten zu anderen Spielen dieses Genres auch schon auf… Denn eines ist das Spiel ganz und gar nicht: Kommunikativ.
Bei diesem Spiel darf auf keinen Fall miteinander gesprochen werden. Wobei man sehr wohl kommuniziert. Schließlich gibt es auch nonverbale Kommunikation. Und auch wenn Zeichen und Gesten ebenso verboten sind, ist es schließlich auch eine Form von Kommunikation nichts zu sagen, zu zögern, die Hand noch nicht auszustrecken oder jemanden feste in die Augen zu schauen. Klingt spannend? Ist es auch, aber lest selbst:


Das Spiel
The Mind ist ein Spiel von Wolfgang Warsch und ist beim Nürnberger Spielkarten Verlag erschienen. Es ist für 2-4 Personen geeignet und wird ab 8 Jahren empfohlen.
Für ein Spiel steht ein Stapel Karten mit Zahlen von 1-99 zur Verfügung. Die Anzahl der Karten, welche die Spieler auf die Hand erhalten, richtet sich nach der aktuellen Runde. In Runde 1 erhält somit jeder eine Karte auf die Hand, in Runde 4 z.B. vier Karten. Sobald das Zeichen dazu gegeben wird, müssen die Spieler ihre Karten in aufsteigender Reihenfolge auf den Ablagestapel legen. Dabei darf allerdings nicht miteinander gesprochen werden und auch Zeichen geben, ist nicht erlaubt. Die Spieler müssen somit ohne Hilfe einschätzen, wann es Zeit ist, ihre Karte auf den Ablagestapel zu legen: immer in der Hoffnung, dass niemand anderes doch noch eine niedrigere Karte auf der Hand hält. Denn sobald dies der Fall ist, muss das Spiel unterbrochen werden. Alle Karten, die niedriger sind, als die eben ausgespielte und die sich noch auf der Hand von Mitspielern befinden, kommen aus dem Spiel und die Gruppe verliert sofort eines ihrer Leben. Die Leben werde je nach Spieleranzahl am Anfang ausgelegt, ebenso wie eine gewisse Anzahl an Wurfsternen. Wurfsterne können jederzeit eingesetzt werden, damit jeder Spieler seine niedrigste Karte offen ablegt.

Haben alle Spieler geschafft, ihre Handkarten aufsteigend abzulegen, ist die Runde geschafft. Die nächste Rundenkarte wird aufgedeckt (bei einigen erhält man wieder Leben oder Wurfsterne dazu) und entsprechend der Runde werden neue Karten verteilt.
Gewonnen hat die Gruppe das Spiel, sobald alle erforderlichen Runden geschafft wurden – dies sind je nach Spieleranzahl zwischen 8-12 Partien.

 

Fazit
Ein kooperatives Spiel mit Kommunikationsverbot? Das soll gehen? Und das soll dann auch noch Spaß machen? Kaum zu glauben, aber JA: das funktioniert. The Mind hat uns nicht nur Spaß gemacht, sondern ist wirklich der Hit. Nie hätten wir gedacht, wie viel Spannung bei diesem Spiel entstehen kann. Schließlich geht es immer und immer wieder darum abzuwägen, ob man eine seiner Handkarten schon ablegen kann oder nicht. Hat man nun die Niedrigste? Oder zögert der Mitspieler nur aus Unsicherheit? Wenn man selbst zu lange zögert, kann das jemand anderen motivieren eine Karte auszulegen, die vielleicht um einiges höher ist. Und wann ist eigentlich der ideale Moment zum Einsetzen eines Wurfsterns? Fragen über Fragen, die man sich im Sekundentakt stellt und die das Adrenalin in großen Mengen in den Körper schießen lassen. Wenn man dann eine Runde überstanden hat, ist die Freude groß. Bis man feststellt, dass es mit jeder Runde schwerer wird.
The Mind ist knifflig und herausfordernd. Soo einfach ist es nämlich nicht, sich bis zur letzten Runde vorzukämpfen, Leben stehen nur begrenzt zur Verfügung. Das gefällt uns richtig gut und verpasst dem Spiel einen sehr hohen Wiederspielwert. Man will es dann doch noch mal versuchen … und noch einmal und noch einmal. Irgendwann will man es schließlich auch mal schaffen und das Spiel gewinnen.


Gelungen ist zudem die grafische Ausarbeitung. The Mind spricht einen sofort an. Die passenden Texte auf den Stufenkarten sind zudem ziemlich lustig. Während man bei Level 3 ein erweitertes Bewusstsein besitzt, zeigt Level 8 bereits außerkörperliche Präsenz an.
The Mind ist ein Spiel, das sich zudem wunderbar mit verschiedenen Altersstufen spielen lässt. Von Jung bis Alt und gerne auch gemischt macht es definitiv richtig viel Spaß. Außerdem lernt man seine Mitspieler so gut kennen, wie sonst wohl nie mehr. Wir wussten nach dem Spiel auf jeden Fall auswendig, welche Spieler welche Augenfarbe hatten. Denn um abschätzen zu können, wie hoch die Karten der anderen sind, schaut man sich schon genau an. Auch wenn Kommunikation verboten ist: Irgendeinen Hinweis an nonverbalen Verhalten will man dann doch ergattern 😉

Sollte mal ein Spieler zu viel am Tisch sitzen, ist das übrigens auch kein Problem. Das Spiel wird zwar etwas schwerer, da mehr Karten im Umlauf sind – aber uns hat das nicht davon abgehalten auch in größeren Runden The Mind zu spielen.
The Mind hat uns alle komplett überzeugt. Es bietet einen sehr großen Spaßfaktor, spielt sich schnell und hat dennoch einen hohen Wiederspielwert – außerdem erreicht es alle Altersgruppen. The Mind erhält sehr verdient von uns daher die volle Punktzahl.

(Eine Rezension von Petra Fuchs)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorien:
“Generationentaugliche Spiele” und “Familienspiele”

Hits: 2229

Kommentare sind geschlossen