Die Kunst des Fischfangs im hohen Norden – Nusfjord von Lookout Spiele (Rezension)

Wir befinden uns im wundervollen Norwegen, in den Lofoten, einem Teil Nordlands. Die Lofoten sind weltbekannt für die unberührte Natur und die kleinen idyllischen Fischerdörfer. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein und so verdient ein Großteil der Einheimischen seinen Lebensunterhalt mit Fischfang. Viele der Dörfer stammen noch aus der Wikingerzeit und so ist es kein Wunder, dass ihnen noch immer die Dorfältesten mit Rat und Tat zur Seite stehen. So auch in Nusfjord. Wer die Ratschläge geschickt einzusetzen weiß, ist schon bald in der Lage seinen Fischereibetrieb weiter auszubauen.

Mit größeren Schiffen gelingt es, den Fischfang zu vergrößern und dies ermöglicht nicht nur das Errichten von wichtigen Gebäuden, sondern verschafft zudem Zugang zum Finanzmarkt. Hier können Anteile des Fischerunternehmens veräußert und die von anderen Betrieben gekauft werden. Nur wer hier sein Können geschickt einsetzt, wird es in Nusfjord weit bringen – denn die Konkurrenz schläft nicht.

 

Das Spiel
Nusfjord ist ein Spiel von Uwe Rosenberg, das bei Lookout Spiele erschienen ist. Es kann mit 1-5 Spielern und ab 12 Jahren gespielt werden.
Nusfjord ist ein Worker-Placement Spiel, bei dem die Spieler ihre Arbeiter einsetzen, um Aktion auszuführen. Hierbei können gemeinsame Aktionsfelder auf dem Aktionsplan genutzt werden, so wie individuelle Aktionen, die man durch das Anwerben von Ältesten erhält. Die Aktionen stehen dabei nur begrenzt zur Verfügung, so dass gut überlegt werden muss, was man auswählt.
Man kann bei Nusfjord nun verschiedenste Tätigkeiten ausführen: Man kann seinen Wald durchforsten oder abholzen (und somit Holz zu erhalten), ihn wieder aufforsten, Schiffe bauen (wozu man Holz/Fische/Gold benötigt), Gebäude bauen, sich Gold verdienen, Rücklagen flüssig machen, Fische im Dorf servieren und zudem Anteile realisieren (um Gold zu erhalten) und Anteile erwerben.
Punkte können dabei durch den Bau von Gebäuden und Schiffen, den Besitz von Anteilen und Gold gemacht werden.

Die Runden selbst sind in je drei Phasen unterteilt.
Phase 1 läutet die Fangphase ein. Jeder Spieler erhält so viele Fische, wie seine Fischfangleiste anzeigt. Der Anfangswert kann durch den Bau von Schiffen schnell erhöht werden. Die Fische werden der Reihenfolge nach verteilt: Zuerst wollen die angeworbenen Ältesten versorgt werden, dann muss man Fische für jeden Anteil abgeben, der im Besitz eines anderen Spielers ist. Erst dann nimmt man sich Fisch für eigene Anteile und legt alle restlichen in die Rücklage. Überschüsse kommen zurück in den Vorrat.

Phase 2 stellt die Arbeitszeit da. Reihum werden nacheinander die drei Arbeiter jedes Spielers eingesetzt. Dabei sind manche der eingangs beschriebenen Aktionsfelder nur von einem Arbeiter nutzbar.

Phase 3 handelt schließlich die Heimkehr ab. Alle Arbeiter kehren nach Hause zurück und außerdem wird das Startspielerschiff auf der Rundenanzeige weiter vorgefahren. Je nach Spieleranzahl werden hier dann verschiedene Vorbereitungen getroffen – wie z.B. dass in Runde 4 jeder Spieler ein C-Gebäude auf die Hand bekommt. Mit dem Fortschreiten des Spieles gibt es somit immer stärkere Gebäude in der Auslage und auch durch den Erwerb von Ältesten und den Bau von Schiffen steigen die Möglichkeiten, an Siegpunkte zu kommen.
Wer nach 7 Runden die meisten Siegpunkte hat, ist Sieger des Spiels.

 

Fazit
Nusfjord hat uns absolut überzeugt. Die verschiedensten Mechanismen sind logisch und sehr flüssig ineinander verzahnt. Auch wenn man es schade findet, dass das Spiel bereits nach 7 Runden vorbei ist, ist es genau das, was uns hier gut gefällt. Nusfjord spielt man nicht 3-4 Stunden lang, wie man es von anderen Kennerspielen Uwe Rosenbergs gewohnt ist. Je nach Spieleranzahl kann man durchaus auch schon in einer halben Stunde fertig sein. Mit Vollbesetzung haben wir meist etwas mehr als eine Stunde gespielt.

 
Nusfjord bietet auf jeden Fall einen recht einfachen Einstieg. Die Regeln sind wunderbar erklärt und sind logisch aufgebaut. So kamen auch unsere Teenager zwischen 12-14 Jahren flott ins Spiel hinein.
Toll ist natürlich auch die Geschichte. Man fühlt sich tatsächlich ein wenig wie in Norwegen, wenn man auf Fischfang geht und Älteste anwirbt. Die Ältesten haben uns besonders gut gefallen. Mit ihnen sieht jedes Spiel anders aus und jeder Spieler hat somit die Möglichkeit, sich auf andere Bereiche zu spezialisieren. Dabei vergessen werden darf aber nicht, dass auch sie mit Fischen versorgt werden wollen und so muss man sich schon gut überlegen, wie viele Älteste man wirklich nutzen will.

Auch die Gebäude lassen ein individuelles Spielgefühl entstehen. Kein Gebäude ist zweimal im Spiel vorhanden und jedes bietet andere Vorteile. Schön dabei finden wie vor allem, dass verschiedene Gebäudekategorien im Spiel sind und diese teilweise gleichzeitig gekauft werden können. Selbst wenn also die stärkeren C-Gebäude ausliegen, ist es mir noch möglich ein A-Gebäude zu kaufen. Ein großer Vorteil, wenn man gerade an Ressourcen-Mangel leidet. Damit dies nicht geschieht muss man natürlich darauf achten, dass der Fischfang immer größer wird (durch den Bau von Schiffen) und man auch genug Holz aus seinen Wäldern erhält.

Auch sehr stimmig fangen wir die Möglichkeit, Anteile zu realisieren und zu kaufen. Braucht man Geld, muss man Anteile zum Kauf frei geben – und im Besitz eines Anderen, wird dieser natürlich am Fischfang beteiligt. Dies bringt definitiv nochmal so richtig Pepp und einen kleinen Ärgerfaktor mit ins Spiel. Wer füttert schon gerne seine Gegner durch?

Gut gelungen ist auch die grafische Ausarbeitung. Das Spiel ist sehr ansprechend designt. Auch an eine sehr leserliche Schrift auf den Gebäude – und Ältestenkarten wurde hier gedacht. Selbst mit Brille sind die Texte wunderbar zu erkennen. Weniger gut gefallen hat uns allerdings die Größe der Goldmünzen. Diese sind eigentlich gar nicht zu verwenden, sie sind viel zu klein. Das ist sehr schade und wir werden sie sicher schnell durch andere Münzen ersetzen. Auch die „eigene-Vorrat“ Plättchen sind viel zu klein gewählt. Teilweise erhält man doch recht viele Fisch und noch dazu Holz: auf dem Plättchen ist dafür nicht genug Platz vorhanden, die Materialien fallen immer wieder runter. Wir haben uns hier allerdings selbst geholfen und keine Schachteln gebastelt. Natürlich gleich passend als Inlay für den Spielekarton, damit der Auf- und Abbau schnell von der Hand geht. Dies sollen aber auch die einzigen Kritikpunkte sein.

 

Nusfjord ist stimmig, spielt sich absolut flüssig und ist für Familien- und Vielspieler geeignet, die ein Spiel auf den Tisch bringen wollen, das sich in weniger als einer Stunde spielen lässt und dennoch einen gewissen Anspruch hat.

(Eine Rezension von Petra Fuchs)

 

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