Wir bauen den großen Kaiserkanal – Da Yunhe (Rezension)

Das Spiel „Da Yunhe – der große Kaiserkanal“ sieht harmlos aus, es steckt aber ein reines Expertenspiel dahinter. Zwischen Peking und Hangzhou wird der große Kanal gebaut. Dabei legt jeder Spieler sechseckige Plättchen, um den Wasserweg möglichst punktebringend in seinem Gebiet zu lenken. Außerdem versucht man, die Unruheplättchen möglichst vom Schiffsweg fernzuhalten, denn die bringen Minuspunkte. Da der Prospektor, der für die Wertung zuständig ist, den Kanal viermal befährt, damit auch viermal durch das dem Spieler gehörende Gebiet fährt, kann man viermal punkten. Oder auch nicht.

 

Denn der liebe Mitspieler legt natürlich großen Wert darauf, dass der Prospektor nicht den punktereichen Weg fährt, sondern über die Minuspunkte rauscht oder das Gebiet allzu schnell wieder verlässt. Gelegte Plättchen können nämlich überbaut werden. Und ein dicker Punktegewinn wird ganz schnell durch ein richtig gelegtes Plättchen zunichte gemacht.

So baut man den großen Kanal, versucht aber gleichzeitig, den Bau der Mitspieler zu sabotieren. Das kann teuer werden, denn ein dadurch ausgelöster Volksaufstand kostet viele Punkte.

 

Gesteuert wird das Spiel über Aktionskarten. Auf denen sind bis zu drei (Mehrfach-)Aktionen. Zu Beginn eines jeden Zuges wählt der Startspieler aus allen zehn Karten eine für sich aus und gibt dann die restlichen Karten an den nächsten Spieler weiter. Dieser wählt wiederum für sich eine Karte aus und gibt die Karten weiter und so weiter. Dass man dabei schon mal ins Grübeln kommt, welche der Aktionskombinationen für einen selbst ideal ist (oder welche Karte man lieber nimmt, damit sie der Mitspieler nicht erhält), kann schon mal dauern. Gerade für Spielneulinge kann es sich ziehen. An die Icons gewohnt man sich aber nach ein paar Partien und auch die vielfältigen Aktionsmöglichkeiten werden einem geläufiger.

 

Nachdem alle ihre Karten und die damit verbundenen Aktionen ausgeführt haben, darf der Startspieler das Boot des Prospektors den Kanal entlang steuern.

Sollte es zu zwei gleichmöglichen Zügen kommen, entscheidet der Startspieler, und der kann schon mal dem einen Spieler ein paar dicke Punkte zukommen lassen, während ein anderer verhungert. Verhandlungen sind da Tür und Tor geöffnet („Fahr du da rüber und ich fahr dann so, bringt uns beiden die meisten Punkte!“)

 

Spannend bleibt das Spiel bis zuletzt. Da die Gebiete der einzelnen Spieler nacheinander gewertet werden, hat man selten die komplette Übersicht, wer gerade in Führung liegt.

Der Einstieg ist schwierig und fordert schon mal die Geduld der Spieler. Wer sich auf dieses Spiel einlässt, der trifft auf ein Spiel, das anspruchsvoll und fordernd ist und die Spielzeit von 60 bis 90 Minuten kurzweilig erscheinen lässt.

 

Man kann dieses Spiel aggressiv spielen nach dem Motto “Ich gewinne, wenn die anderen verlieren”. Spielt man es eher friedlich, so entsteht ein schönes Aufbauspiel mit vielen interessanten verzahnten Mechaniken und man hat ein vielschichtiges Optimierungsspiel vor sich, das sogar zu fünft ein gutes Spiel um den Kanalbau bietet. Besonders den geschickt gesteuerten Volksaufstand kann man hervorragend zu seinem Vorteil einsetzen.

Wer sich vor den wenigen Ecken und Kanten nicht abschrecken lässt, findet ein Spiel mit viel Potenzial.

Empfehlenswert für Vielspieler. Einsteiger und Gelegenheitsspieler werden keinen rechten Spaß daran haben, denen ist es zu komplex.

 

2-5 Spieler, 20-90 min, von Björn Mller-Mätzig, Grafik von Nicolas Bau, erschienen bei Müller-Mätzig Spieleverlag

+ spannend bis zuletzt

+ geschickte Verzahnung verschiedener Spielmechaniken

– Material teils winzigst

– Spielregeln unklar

– Wartezeit

– / + aggressive Spielweise

 

Wer mehr über die Regeln wissen möchte, kann sich die Regelerklärung des Verlages ansehen:

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