In Warteschlangen stehen und doch nichts kriegen: Kolejka von HUCH! (Rezension)

Wie war das eigentlich in den 80er Jahren in Polen? Schon mal was von Kommunismus gehört? Oder von Planwirtschaft? In dieser Zeit gelang es der Regierung auf jeden Fall nicht, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen. Hört sich staub trocken an, meint vielleicht derjenige, der sich nicht für Geschichte interessiert. Es könnte aber auch spannend klingen, wenn man sich vorstellt, dass aus dieser Geschichte ein Spiel gezaubert wird und man sich plötzlich mitten in den 80er Jahren des Ostblocks befindet:

Große Träume hatte man da nicht. Jeder war bedacht, seine notwendigsten Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Gar nicht einfach in einer Zeit, in der stetig Mangel an Allem herrschte. Geld ist nicht das Problem. Sondern das Problem ist, dass es einfach nicht genug Waren gibt. Und so stellen sich die Menschen brav in die Warteschlangen vor den Geschäften an, immer in der Hoffnung, doch etwas von den begehrten Dingen abzubekommen. Wenn da nicht immer die Drängler wären, oder diese Mütter mit schreienden Babys, die man dann vor lassen muss. Klar ist sowie so nie, dass man seinen Einkaufswunsch erfüllt bekommt.

Manchmal wird man auch von Inventuren überrascht, oder die Lieferung für das Geschäft fällt einfach komplett aus. Zum Glück gibt es dann ja noch den Schwarzmarkt. Wer sich nicht erwischen lässt, kann hier zumindest das ein oder andere kostbare Teil erwerben. Ja, so war das Leben im damaligen Polen.

 

Das Spiel
„Kolejka“ vom HUCH & Friends Verlag ist ein thematisches Spiel, welches sich laut Verlag ab 12 Jahren und mit 2-5 Spielern spielen lässt. In dem Spiel geht es darum, die 80er Jahre in Polen und den Mangel an Waren darzustellen. Die Spieler erhalten Auftragskarten (Einkaufslisten), welche bestimmte Waren zeigen und müssen dann versuchen mit ihren Spielfiguren diese Waren zu erhalten.

Wer zuerst Einkauf erledigt hat, gewinnt das Spiel. Klingt einfach? Ist es aber nicht. Denn mit den Spielfiguren müssen sich die Spieler an die verschiedenen Warteschlangen der Geschäfte anstellen und hoffen, dass noch genug Waren vorhanden sind, wenn sie in der Schlange ganz vorne stehen. Allerdings wissen die Spieler vorher nicht, welcher Laden überhaupt beliefert wird und weiterhin können die Reihenfolgen der Warteschlangen durch Karten beeinflusst werden.

Gerade das Ausspielen dieser  Drängel-Karten, macht den Hauptteil des Spieles aus, denn wenn Jeder gespielt hat und dann die Waren verteilt werden, ist nichts mehr wie vorher. Das Spiel wird in mehreren Runden gespielt und besteht aus mehreren Phasen:  1. Anstellen in der Warteschlange, 2. Warenlieferung, 3. Drängelei, 4. Ladeneröffnung, 5. Tauschen auf dem Schwarzmarkt und 6. Aufräumphase. Gespielt wird so lange, bis ein Spieler seine Einkaufsliste erfüllt hat.

 

Fazit
Wir sind schlicht begeistert von Kolejka. Gar nicht mal unbedingt, weil es ein komplexes Spiel ist, das oft auf den Tisch kommen wird. Sondern eher wegen der wirklich gelungenen Umsetzung des Themas. Thematische Spiele gefallen mir und bei Kolejka fühlt man sich wirklich in die Zeit des Kommunismus versetzt.

Die Verpackung hatte uns lange nicht dazu ermutigt, das Spiel auszuprobieren, was aber auch daran lag, dass wir wussten, um was es in dem Spiel geht. Ausgepackt und gespielt war klar: Design und auch der Spielablauf passen perfekt zur Idee. Die Warenkarten sind liebevoll gestaltet und es ist wirklich lustig, diese alten Sachen (wie z.B. einen uralten Radiorekorder) darauf abgebildet zu sehen. Das hat uns so manches Mal zum schmunzeln gebracht. Aber auch die Drängelkarten sind wirklich sehr gelungen. Als Beispiel mag ich die „Mutter mit Baby“ gern: „Du hast Dir einen Säugling ausgeliehen. Nun hast Du das Recht, außer der Reihen dran zu kommen.“ Die Drängelkarten sind alle witzig und bringen pepp ins Spiel.

Die Altersangabe von 12 Jahren würde ich so nicht übernehmen. Klar, wenn es darum geht, das Thema dahinter erfassen zu wollen, macht es Sinn. Der Spielmechanismus selbst lädt aber auch Kids ab 8 Jahren zum Spielen ein und ihnen kann man den Hintergrund ja ein wenig erklären.
Wir finden: Ein tolles Spiel, auch in altersgemischten Gruppen und mit einen gut umgesetzten, historischen Thema. Auch wenn das Spiel sicher nicht regelmäßig auf den Tisch kommt, dafür ist die Spielmechanik nicht abwechslungsreich genug, ist es doch eine Perle im Schrank.

 

 

Ein Kommentar

  1. Hab ich auch immer gerne gespielt. Leider viel zu selten auf dem Tisch. Hatte vor dem thematischen Hintergrund einen schönen Ärgerfaktor.

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