Das Spiel gegen chronische Erwachsenen-Unlust-des-Memory-spielens- Memoarrr! (Rezension)

Nicht schon wieder Memory! Alle Eltern haben diesen Satz bestimmt mindestens einmal in ihrem Leben gedacht. Denn schließlich ist es eines dieser Spiele, bei denen Erwachsenen null Chance haben. Verlieren können ja die Meisten ganz gut, aber wenn man s.t.ä.n.d.i.g. am Verlieren ist und dann auch noch gegen so kleine Menschenwesen- dann kann das schon ziemlich frustrierend sein. Aber warum ist das eigentlich so? Warum gewinnen Kinder beim Memory so spielend leicht? Warum sind vor allem die jüngeren Zwerge mit ihren 5-6 Jahren unschlagbar?

Keine Sorge, wir Erwachsenen leiden nicht etwa bereits an Alzheimer, sondern es gibt eine ganz und gar wissenschaftliche Erklärung dafür:
Für das Spielen von Memory benötigt man ein gutes, räumlich-visuelles Gedächtnis. Und das ist bei Kindern erwiesener Maßen viel besser ausgebildet. Ihr Gehirn hat doppelt so viele Synapsen wie Erwachsene. Hast Du das gewusst? HIER kannst Du es nachlesen.

Dass eine chronische Erwachsenen-Unlust-des-Memory-spielens entsteht ist daher mehr als nur verständlich! Wer will schon die ganze Zeit verlieren?
Aber schade ist es dennoch, denn mit ein wenig Training wäre es durchaus möglich, dass auch Erwachsene Strategien entwickeln, um bei Memory wieder punkten zu können.

Und genau dabei kann das Spiel helfen, dass wir Euch nun vorstellen.
So viel können wir Euch schon verraten:
Ein gewöhnliches Memory ist es nicht…
Damit würden wir Euch wahrscheinlich nicht an die Spieletische locken können…

 

Das Spiel
Memoaar! vom Autor Carlo Bortolino und dem Grafiker Pablo Fontagnier erschien als Neuheit des Jahres 2017 bei der Edition Spielwiese im Vertrieb von Pegasus. Es wird ab 8 Jahren empfohlen und ist für zwei bis vier Spieler geeignet. Bei Memoaar! handelt es sich um ein Familienspiel, welches sich augenscheinlich der Grundmechanik von Memory bedient, aber doch einiges anders macht.

Gespielt wird es mit 25 Ortskarten, auf der eine Tierart und eine Landschaft abgebildet sind.
Beginnend mit dem Startspieler deckt jeder Spieler im Uhrzeiger sind EINE Karte auf.
Dabei muss die aufgedeckte Karte entweder das gleiche Tiersymbol ODER die gleichen Landschaft anzeigen wie die Karte, die der Spieler zuvor aufgedeckt hatte. Alle Tiere und Landschaften sind mehrfach in einmaligen Kombinationen vorhanden. Die Karten werden auch nicht wie beim gewöhnlichen Memory bei Fehlern wieder umgedreht. Wird ein Fehler gemacht, muss der Spieler aus der Mitte der Auslage einen Vulkan nehmen und scheidet somit diese Runde komplett aus.

Im Uhrzeigersinn deckt jeder Spieler so lange eine Karte auf, bis er entweder einen Fehler macht und ausscheidet oder aber alle anderen Spieler ausgeschieden sind und er der glückliche Letzte ist. Hat er letzteres geschafft, darf er sich als Belohnung eine der Schatzkarten nehmen (auf der Punkte zwischen 1-4 abgebildet sind), die verdeckt unter den Vulkanen liegen. Insgesamt werden 7 Runden gespielt (ohne die Position der Karten zu verändern)und wer dann die meisten Punkte durch Schatzkarten besitzt, gewinnt das Spiel.

Nachdem das Spiel auch geübten Memory-Spielern Spaß machen soll, haben sich die Macher etwas ausgedacht und Sonderregeln für ein Expertenspiel hinzugefügt. Bei dieser Variante haben die Tierkarten Sonderfunktionen: z.B., muss man beim Aufdecken der Krabbe direkt noch einen Spielzug machen oder aber man muss beim Oktopus zwei angrenzende Orte vertauschen.

 

Fazit
Memoarrr! ist ein wirklich gelungenes Spiel, das nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen Spaß macht. Und man konnte uns wahrlich nicht als Memory-Fans bezeichnen. Dennoch gefällt es uns sehr gut, wahrscheinlich auch, weil es doch weniger mit Memory zu tun hat, als es den Anschein hatte. Der Spielmechanismus, dass man Tiere oder Landschaften kombinieren kann, gefällt uns ausgesprochen gut. Somit ist die Chance doch um einiges höher etwas Passendes zu finden. Auch das Aufdecken von nur je einer Karte macht das Spiel kurzweilig und lässt es zügig voranschreiten.
Gelungen finden wir, dass Memoarrr! eine gewisse Lern-Kurve hat. Denn da die Karten nach jeder Runde nur umgedreht, deren Position aber nicht verändert werden, kann man sich von Runde zu Runde alles immer besser merken.

Beim Auspacken des Spiels hat uns sofort die Grafik gefesselt. Das Design der Karten ist wirklich wunderschön und macht richtig Laune auf das Memoarrr!. Man kann sich richtig hineinversetzen in die Geschichte, bei der man auf einer Insel unterwegs ist, nach Schätzen sucht, aber nicht die Orientierung verlieren darf, da einen sonst der ausbrechende Vulkan erwischt.

Schade ist nur, dass die Karten eher dünn geworden sind und es bei glatter Unterlage schwer fällt, sie gut zu greifen. Insgesamt hätten wir sie uns etwas dicker gewünscht (aus dünner Pappe?), was aber wahrscheinlich auch den Preis des Spiels in die Höhe getrieben hätte. Besonders hervorzuheben sind dafür die tolle Spieleregeln: Anschaulich und gut verständlich sind sie schnell gelesen und es kann nach wenigen Minuten schon mit dem Spiel los gehen.

 

Memoaarrr! steht definitiv ganz oben auf der Top-Liste an Spielen, die sich ideal mit generationengemischten Gruppen von Jung bis Alt spielen lassen. Das empfohlene Alter von 8 Jahren würden wir sogar noch deutlich herunter setzen. Memoarrr haben in den Tests auch 4-6 Jährige problemlos spielen können. Ein tolles Spiel, das sicher öfter auf den Tisch kommt und auch Vielspielern als Absacker- oder Einstiegsspiel am Spieleabend gefallen dürfte.

 

 

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