Das Spiel mit den Toten – Adiós Calavera! – Essen-Neuheit 2017 für Taktiker (Rezension)

Jedes Jahr wieder erscheinen sie, die Seelen der Toten. Sie ziehen ein in unsere Häuser und statten uns einen Besuch ab. Die Sehnsucht der Toten nach den Lebenden und umgekehrt ist zu groß, als dass diese beiden Reiche voneinander los lassen könnten. Festlich werden die Verstorbenen empfangen und nicht nur die Häuser der Familien sind bunt geschmückt, sondern auch die Straßen werden verziert und zu Ehren der Besucher wunderschön gestaltet. Sie lassen es sich gut gehen, die vielen Seelen. Genießen den Besuch bei ihren Liebsten, naschen von den vielen leckeren Gaben und feiern tanzend und lachend mit der farbenfroh gekleideten Verwandtschaft. Schade, dass diese Zeit nicht ewig wehrt. Nur wenige Tage später müssen sich die Lebenden von den Toten wieder verabschieden. Ein letztes Mal wird zusammen gefeiert, bis Mitternacht naht. Doch dieses Mal wollen sich die beiden Reiche nicht einfach voneinander trennen. Sie wollen noch ein letztes lustiges Spiel spielen und schließen eine Wette ab. Wer als erstes seine eigene Welt erreicht, darf bis zum nächsten Jahr über die andere Welt bestimmen. Ein spannender Wettlauf beginnt…

Das Spiel
Adiós Calavera! von Martin Schlegel, erscheint ganz aktuell zur Messe in Essen bei Mücke Spiele und ist ein taktisches 2-Personen-Spiel. Es erzählt von dem mexikanischen Fest „Dia de los Muertos“, welches in Mexiko vom 31.Oktober bis 2.November gefeiert wird und zu Ehren der Toten stattfindet. Bei Adiós Calavera! treffen sich die Lebenden und die Toten und versuchen den jeweils Anderen daran zu hindern, es als erstes ins eigene Reich zu schaffen. Jedem Spieler stehen dafür acht Spielsteine zur Verfügung, wobei jede Figur eine Seite mit Sonderfähigkeiten besitzt. Am Anfang des Spieles entscheiden sich die Spieler für vier Figuren, die mit ihren Sonderfähigkeiten ins Spiel kommen – die anderen Figuren werden nach den normalen Zugregeln gespielt. So gibt es Figuren, wie Pedro & Pablo, neben denen die Steine des Gegners nicht stehen bleiben dürfen oder aber z.B. Evita & Eréndia, die als Einzige auch diagonal ziehen dürfen. Ziel ist es nicht nur, die eigenen Figuren als erstes auf die gegenüberliegende Seite zu bringen, sondern man sollte auch versuchen, den Gegner geschickt zu blockieren. Diego & DeMarco können mit ihrer Anziehungskraft dabei ebenso hilfreich sein wie Fernando & Fidel, die andere Figuren gerne einmal durch die Gegend schieben. Adiós Calavera! wird vom Verlag ab 8 Jahren empfohlen und bietet eine Vielfalt an verschiedenen Spielvarianten.

 

Fazit
Gerade Letztens hatten wir an unserem Spieleabend einen Besucher, der bisher nur Schach gespielt hatte und andere Gesellschaftsspiele seltener ausprobiert. Ein wenig Sorgen hatten wir, ob er denn auch Interesse an anderen Spielen haben könnte. Der Einstieg in Unbekanntes ist ihm dabei schnell und einfach gelungen und doch hätte es auch anders ausgehen können. Oft will man ja doch eher sanft in neue Gebiete geführt werden.

Beim nächsten Spieleabend würde ich ihm ganz sicher Adiós Calavera! vorstellen! Ein wenig erinnert es mich an Schach, allerdings hebt sich Adiós Calavera! unserer Meinung deutlich davon ab und weist signifikante Unterschiede auf. Figuren werden bei diesem Taktikspiel nicht etwa herausgeschmissen, sondern man blockiert sie lediglich. Und Ziel ist es auch nicht, den König „Schach Matt“ zu setzen, sondern mal will seine Figuren als erstes ins Ziel und somit vom Spielbrett bringen. Toll ist dabei, dass sich die Spielfiguren nicht direkt gegenüber stehen, sondern man je eine benachbarte Seite besetzt. Dies trägt dazu bei, dass Adiós Calavera! einen sehr hohen Schwierigkeitsgrad bieten kann. Die Zugweite der eigenen Steine berechnet sich nämlich daraus, wie viele Figuren sich insgesamt quer zur eigenen Hauptlaufrichtung befinden. Und da die Laufrichtung der Spieler jeweils eine andere ist, wird es hier wirklich knifflig. Beim Setzen der Steine muss man dann nämlich nicht nur auf die eigenen Möglichkeiten achten, sondern darf nicht übersehen, dass man an falscher Stelle die Zugweite des Gegners erhöht.

Die Varianz und somit den Wiederspielwert empfinden wir bei Adiós Calavera! als besonders hoch. Denn zusätzlich zu den Grundfähigkeiten bringt jede Figur Sonderfähigkeiten mit. Wenn man die normalen Regeln verwendet, kann man so immer wieder einen anderen Mix an Fähigkeiten verwenden, was jedes Spiel komplett anders aussehen lässt. Das Tolle dabei ist, dass der Gegner ganz andere Sonderfunktionen zusammenstellen kann. Und wem das noch nicht genügt, der kann mit den Regelvarianten zufällig ziehen, welche Fähigkeiten er einsetzt oder einfach alle acht auf einmal nutzen. Eine gute Unterstützung bieten die beigelegten Spielerhilfen, auf denen alle Fähigkeiten nochmal kurz bebildert sind.

Die Steine werden vor dem Spiel mit beiden Seiten mit Aufklebern beklebt: Eine Seite zeigt die Sonderfähigkeit an, die andere zeigt an, dass nur die Grundfähigkeiten genutzt werden können. Das ist auch das Einzige, das uns an dem Spiel nicht so gut gefallen hat. Aufkleber kleben mögen wir nicht so gern. Allerdings ist die Grafik nicht nur thematisch, sondern auch sehr lustig und wir haben keine Idee, wie man das hätte anders lösen können. Gut gefällt uns auch die Möglichkeit, das Spielbrett umzudrehen – die Situation auf dem Spielbrett ändert sich zwar nicht, aber es macht grafisch einfach was her.

Die Altersempfehlung ab 8 Jahren würden wir nur bedingt unterstreichen. Wenn Adiós Calavera! mit der Variante für Einsteiger gespielt wird (hierbei werden keinerlei Sonderfähigkeiten genutzt), so dürfte es für Kinder gut machbar sein. Sobald aber die Talente der Figuren ins Spiel kommen, steigt der Anspruch und Kinder sollten hier unserer Meinung nach mindestens 10 Jahre alt sein.

Adiós Calavera! ist für jeden Taktiker absolut zu empfehlen. Wir sind begeistert davon, welche Tiefe es entwickeln kann und dass man selbst nach dem 10. Spiel übersieht, das der eigene Zug nur dem Gegner genutzt hat. Nicht nur Schachspielern dürfte somit das mexikanisch angehauchte Spiel gefallen, sondern auch Jedem, der gerne Strategisches auf den Tisch bringt.

 

 

 

Wer mehr über den Hintergrund und die Entstehung von Adiós Calavera!  erfahren will, kann im Reich der Spiele ein Interview mit dem Autor Martin Schlegel lesen (KLICK)

 

 

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